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Kernaussagen
- Multi-Club Ownership (MCO) ist ein wesentlicher Transaktionstreiber, der es Investoren ermöglicht, globale Club-Portfolios aufzubauen und sportliche, kommerzielle sowie operative Synergien zu erzielen.
- Investoren setzen zunehmend auf Minderheitsbeteiligungen, strukturiertes Eigenkapital und Private Credit, wodurch Kapitaleinsatz und Kontrolle voneinander getrennt werden.
- Jüngste Entscheidungen von UEFA und CAS zeigen: Bereits die blosse Möglichkeit der Einflussnahme kann einen Verstoss auslösen – Transak- tionsstrukturierung und Governance sind daher entscheidend.
1 Einleitung
In den letzten Jahrzehnten hat die zunehmende Interna- tionalisierung und Kommerzialisierung des professio- nellen Fussballs eine wachsende Zahl von Investoren angezogen, die Beteiligungen an Fussballclubs erwerben wollen. Gemäss dem 2025 European Club Finance and Investment Landscape Report der UEFA, veröffentlicht am 26. Februar 2026, zog der europäi- sche Fussball weiterhin erhebliches Investoreninteresse an, wobei die Gesamtzahl der Investitionstransaktionen mit 123 Deals im Jahr 2025 einen historischen Höchst- stand erreichte. Die Einnahmen der europäischen Erstliga-Clubs dürften 2025 EUR 30 Milliarden erreicht haben. Gleichzeitig verändern sich die Transaktions- dynamiken: Anstatt vollständige Übernahmen anzu- streben, verschaffen sich Investoren zunehmend über Minderheitsbeteiligungen, strukturiertes Eigenkapital und Private Credit Zugang zum Sektor, was eine Tren- nung zwischen Kapitaleinsatz und Kontrolle widerspie- gelt. Die Lancierung mehrerer dedizierter Sportinvest- mentfonds im Jahr 2025 unterstreicht die langfristige Überzeugung der Investoren in den Sektor und einen stärker institutionalisierten Ansatz der Kapitalallokation.
Ein aktuelles Beispiel ist der Erwerb einer Mehr- heitsbeteiligung an Atlético Madrid durch Apollo Sports Capital, die globale Sportinvestmentplattform von Apollo Global Management (NYSE: APO), mit Vollzug am 12. März 2026. Bemerkenswerterweise machten US-In- vestoren im Jahr 2025 rund ein Drittel aller Übernah- men von Fussballvereinen der obersten Spielklassen in Europa aus.
Rekordinvestitionen: 123 Fussballclub- Transaktionen in Europa im Jahr 2025
Auch in der Schweiz haben ausländische Investo- ren in Schweizer Fussballclubs investiert. Im Jahr 2024 erwarb der Los Angeles FC eine 96,5%-Beteiligung am Grasshopper Club Zürich von den bisherigen chinesi- schen Eigentümern. Zuvor übernahm Joe Mansueto, Eigentümer von Chicago Fire, den FC Lugano, während INEOS 2017 Lausanne-Sport erwarb, wobei dessen Anteile in einen Blind Trust eingebracht wurden, um die Multi-Club-Ownership-Regeln der UEFA einzuhalten. Inzwischen gehört über ein Drittel der Schweizer Top- Clubs derzeit einem Multi-Club-Ownership-Netzwerk an.
Während verstärkte Investitionen den Clubs helfen können, ihre sportliche und finanzielle Position zu stär- ken, werfen sie auch eine Reihe von regulatorischen Herausforderungen auf. Dazu gehören Financial-Fair- Play-Regeln, nationale Lizenzierungsanforderungen, Beschränkungen der Eigentümerstrukturen und wett- bewerbsrechtliche Erwägungen. Dieser Newsletter befasst sich mit dem regulatorischen Rahmen rund um Multi-Club Ownership (MCO), welcher für Investoren im Profifussball äusserst relevant geworden ist.
2 Multi-Club Ownership im Europäischen Fussball und in der Schweiz
MCO beschreibt Situationen, in welchen zwei oder mehr professionelle Fussballclubs vom selben Eigentümer kontrolliert werden. Prominente Bei- spiele sind die City Football Group, die weltweit Beteili- gungen an 12 Fussballclubs hält, darunter Manchester City FC, Girona FC und Palermo FC, sowie Red Bull Soccer, das mehrere Clubs wie RB Leipzig, FC Red Bull Salzburg und die New York Red Bulls besitzt. Insgesamt unterhalten 122 Erstliga-Clubs in Europa (16% aller Clubs) eine Kreuzbeteiligungsbeziehung mit einem oder mehreren anderen Clubs.
Sowohl Investoren als auch Fussballclubs profi- tieren von verschiedenen Vorteilen, welche MCO mit sich bringt, sowohl aus sportlicher (z.B. verbesserte Scouting-Netzwerke) als auch aus kommerzieller Perspektive (z.B. gemeinsames Personal, gemeinsame Sponsoring-Aktivitäten, Kosteneffizienz, Austausch von Expertise und Best Practices, Markenbekanntheit etc.). Theoretisch ermöglicht MCO den angeschlossenen Clubs, junge Fussballtalente bei kleineren Clubs zu rek- rutieren, zu entwickeln und diese Spieler anschliessend an grössere Clubs innerhalb desselben Netzwerks zu transferieren, die auf höherem Niveau des Profifussballs antreten.
Die weitverbreitete Anwendung von MCO-Prakti- ken wirft jedoch Bedenken hinsichtlich der Fairness und Integrität von Fussballwettbewerben auf. Infolgedessen haben die Fussballverbände Vorschriften zur Rege- lung der Eigentümerstrukturen von Clubs eingeführt.
Auf europäischer Ebene werden multinationale Fussballwettbewerbe wie die Champions League von der UEFA organisiert und reguliert. Mitglieder der UEFA sind die nationalen Fussballverbände der europäischen Länder, einschliesslich des Schweizerischen Fussball- verbands (SFV). Professionelle Fussballwettbewerbe in der Schweiz werden von der Swiss Football League (SFL) organisiert und reguliert.
Die UEFA-Statuten verpflichten die Verbände sicherzustellen, dass weder natürliche noch juristische Personen mehr als einen Club in ihren Wettbewerben beeinflussen oder direkt oder indirekt kontrollieren, wenn damit die Integrität der Spiele oder der Wettbe- werbe gefährdet sein könnte. In ganz Europa enthalten 27 der obersten Ligen Vorschriften zu einer Eignungs- prüfung für neue Investoren bzw. Vorschriften bezüglich der Eigentümerstruktur.
Fussballinvestoren wechseln von Einzelclubs zu globalen Portfolios
In der Schweiz bestehen entsprechende Regeln als Teil des Lizenzierungsrahmens für Schweizer Fuss- ballclubs, die auf SFL-Ebene teilnehmen. Ein Kontroll- wechsel erfordert, dass der Fussballclub die Lizenz erneut bestätigt und unter anderem die relevanten Transaktionsvereinbarungen bei der Lizenzkommission der SFL einreicht.
Vor diesem Hintergrund strukturieren Investoren ihre Portfolios häufig so, dass Eigentümerkonflikte innerhalb desselben Wettbewerbs vermieden wer- den. In der Praxis ist es in der Regel einfacher, Teams zu erwerben, welche in verschiedenen Wettbewerben antreten (beispielsweise ein südamerikanischer und ein europäischer Club), oder sogar in Teams verschiedener Sportarten zu investieren, um operative Synergien zu erzielen (wie etwa reduzierte Infrastruktur- oder Over- headkosten). Ein bekanntes Beispiel ist die Red-Bull- Gruppe, die Sportteams in mehreren Disziplinen besitzt. Die zunehmend zu beobachtenden Minderheitsbeteili- gungen an Fussballclubs werfen aus MCO-Perspektive weniger Bedenken auf, ermöglichen den Investoren aber dennoch, einige der strategischen und finanziellen Vorteile eines Investments in mehrere Fussballclubs zu nutzen.
Da MCO-Strukturen mit Mehrheitsbeteiligungen an Clubs, welche in gleichen Wettbewerben antreten, immer häufiger geworden sind, mussten die UEFA- Finanzkontrollkammer für Klubs (FKKK) und der Interna- tionale Sportgerichtshof (CAS) eine wachsende Zahl von MCO-Fällen beurteilen. Diese Entscheide haben die Auslegung der MCO-Regeln geprägt.
3 Rechtsprechung von UEFA und CAS
Im Jahr 2017 leitete die UEFA eine Untersuchung zum Investment von Red Bull ein, da mit dem FC Red Bull Salzburg und RB Leipzig zwei von Red Bull kontrollierte Klubs gleichzeitig in der UEFA Champions League vertreten waren. Es wurden Bedenken geäussert, dass die Clubs die in den Wettbewerbsregeln der UEFA festgelegten Unabhängigkeitskriterien nicht erfüllten.
Als Reaktion darauf teilte der FC Red Bull Salzburg mit, er habe bestimmte mit Red Bull verbundene Personen aus den Entscheidungsgremien des Clubs entfernt, das Sponsoring-Volumen von Red Bull reduziert und die Kooperationsvereinbarung mit RB Leipzig beendet. Die FKKK-Rechtsprechungskammer kam schliesslich zum Schluss, dass die Beziehung von Red Bull zum FC Red Bull Salzburg zum Zeitpunkt ihrer Entscheidung nur einer üblichen Sponsoring-Beziehung gleichkam.
Im Jahr 2024 befasste sich die FKKK mit mehreren MCO-Fällen, unter anderem mit Manchester City FC und Girona FC, die beide der City Football Group ge- hören. Um die MCO-Regularien der UEFA einzuhalten, wurden die Anteile an Girona FC in einen Blind Trust mit einem unabhängigen Trustee eingebracht, wodurch der Einfluss der City Football Group auf die Governance faktisch beseitigt wurde. Darüber hinaus vereinbarten die Clubs, keine Spieler untereinander zu transferieren und keine gemeinsamen technischen oder kommerziel- len Vereinbarungen einzugehen. Darauf hinzuweisen ist, dass die Blind-Trust-Lösung von der UEFA ausnahms- weise nur für die Saison 2024/25 akzeptiert wurde und deshalb keine langfristige Lösung zur Sicherstellung der Compliance darstellt.
UEFA-Kontrolle verschärft sich mit der Ausbreitung von Multi-Club Ownership
Am 11. August 2025 wies der CAS eine Berufung von Crystal Palace FC gegen die UEFA ab, die eine Entscheidung der FKKK zum Ausschluss von Crystal Palace aus der UEFA Europa League 2025/2026 wegen eines Verstosses gegen die MCO-Bestimmungen betraf. Der CAS stellte fest, John Textor, Gründer von Eagle Football Holdings, habe als Anteilsinhaber an Crystal Palace und Olympique Lyonnais und als Vor- standsmitglied zum Zeitpunkt der Beurteilung durch die UEFA massgeblichen Einfluss auf beide Clubs ausgeübt. Der CAS bestätigte zudem, bereits die blosse Möglichkeit, massgeblichen Einfluss auf die Entscheidungsfindung eines Clubs auszuüben, reiche aus, um einen Verstoss zu begründen; es muss nicht nachgewiesen werden, dass ein solcher Einfluss tat- sächlich ausgeübt wurde. Infolgedessen durfte Crystal Palace in der Saison 2025/2026 nicht an der UEFA Europa League teilnehmen und musste stattdessen in der UEFA Conference League antreten. Der CAS stellte zudem fest, dass nach dem Stichtag 1. März ergriffene Massnahmen, wie der Verkauf von Anteilen durch John Textor, einen bestehenden Verstoss gegen die MCO- Regeln nicht heilten.
4 Fazit
Der Aufstieg von MCO verändert die Fussballbranche grundlegend und ist ein Treiber von M&A-Transaktionen in der Sportindustrie. Indem Investoren ermöglicht wird, Kapital über mehrere Clubs hinweg einzusetzen, können sportliche und kommerzielle Synergien ge- schaffen werden, wie beispielsweise verbesserte Scouting-Netzwerke, Spielerentwicklungspipelines und operative Effizienzen. Gleichzeitig zeigt das wachsende Engagement institutioneller Investoren und spezia- lisierter Sportfonds, dass Fussball zunehmend als langfristige Anlageklasse und nicht mehr nur als rein leidenschaftsgetriebenes Investment gesehen wird.
Investoren müssen jedoch den regulatorischen Rahmen für den Clubbesitz sorgfältig prüfen. Die UEFA und die nationalen Verbände prüfen Eigentümerstruk- turen eingehend, einschliesslich Situationen indirekter Einflussnahme oder Kontrolle zwischen verbundenen Clubs, insbesondere wenn Clubs an denselben inter- nationalen Wettbewerben teilnehmen können. Wie der CAS 2025 bestätigt hat, verlangt die UEFA keinen Nachweis tatsächlicher Einflussnahme; die blosse Möglichkeit, über mehr als einen Club massgebli- chen Einfluss auszuüben, reicht aus, um einen Ver- stoss gegen die MCO-Regeln auszulösen. Wie jüngste Entscheidungen der UEFA und des CAS zeigen, sind regulatorische Compliance und Transaktionsstrukturie- rung daher zentral bei M&A-Transaktionen im Fussball- geschäft. Investoren müssen deshalb Wettbewerbsteil- nahmeregeln, Governance-Regelungen und mögliche Strukturierungen der Eigentumsrechte frühzeitig im Investitionsprozess analysieren.
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